Magdeburg Südost
Westerhüsen - Salbke - Fermersleben - Buckau
Wasserturm
Der Turmpark Salbke
Die Hauptwerkstatt der Königlichen Eisenbahndirektion Magdeburg stieß in Buckau im Zuge der Industrialisierung an ihre räumlichen Grenzen. Ein geeigneter Standort für ein neues Werk wurde notwendig. Platz für den Neubau bot sich am Ortsrand von Salbke, an der bereits bestehenden Bahnstrecke Magdeburg/Halle, an. Das Werk benötigte zur Wasserversorgung einen Wasserturm, um von der öffentlichen Versorgung unabhängig zu sein.1892 begannen die Grundstückserwerbungen und im selben Jahr legte der Baumeister Mältzer einen ersten Entwurf für das Wasserwerk vor. Der Entwurf zeigte einen für die damalige Zeit typische Anlage, bestehend aus Wasserturm mit Maschinen- und Kesselhaus (mit Pumpen und Dampfmaschinen). Der vom Kesselhaus benötigte Schornstein wurde ursprünglich freistehend geplant. Das angepumpte Elbwasser sollte, nachdem es mit Hilfe der Klärbehälter und Filterbecken zu Trinkwasser aufbereitet wurde, in den Hochbehälter gepumpt werden.
1893 wurde der von Behrendt entworfene und von Mältzer ausgeführte Entwurf realisiert. Der Schornstein, der für die Dampfmaschinen benötigt wurde, führte nun mittig durch den Wasserturm. Da erstens der meist ungenutzte Turmschaft gefüllt wird, zweitens die Abwärme vor Einfrieren des Behälters schützt und drittens nun einmal ein Gebäude in diesem Umfang errichtet werden musste. Der Schornstein bedingt aber auch einen deutlich vergrößerten Durchstieg in der Mitte des zweigeteilten Behälters, weshalb für die Größe von 1000m³ die eher ungewöhnliche Inze I -Konstruktion gewählt wurde.
1894 wurde der Wasserturm und das Pumpenhaus fertiggestellt. Nördlich des Wasserwerkes wurde eine kleine werkseigene Siedlung für die Arbeiter des Wasserwerkes errichtet. Die Siedlung erhielt eine Konsumverkaufsstelle, einen Speisesaal und eine Kegelbahn. Zudem wurde eine kleine Grünanlage, der „Turmpark", am Wasserturm angelegt. Die bereits zu Anfang angedachte Trinkwasseraufbereitungsanlage ersetzte die alte Siebanlage, deren halb unterirdisches Gewölbe weiter als Reinwasser-Reservebehälter benutzt wurde. Die Aufbereitungsanlage bestand aus zwei Vorfilter, die in zwei langgestreckte Vorklärbecken mündeten, aus denen dann das Wasser in drei Langsamfilterkammern geleitet wurde. Der erste Umbau erfolgte im Jahr 1913 in Form neuer Leitungen und einer Entschlammungsvorrichtung, in den Jahren 1923/24 folgten Hochbauten im Stil des Historismus, die Errichtung einer Kläranlage am Osthang sowie eine Ableitung zu nahe gelegenen Sülze.
In den 1930iger Jahren wurde grundlegend modernisiert und erweitert. Auch der Name änderte sich. Von nun an hieß es „Reichsbahnausbesserungswerk" (RAW). Die Kläranlage ging außer betrieb und wurde als Schwimmbad genutzt, aus dem südlichen Behälter wurde ein Schießstand und das Maschinen- und Kesselhaus wurde in eine Berufsschule umgebaut. Bereits hierfür wurden die alten Maschinen entfernt, der Pumpenkeller verfüllt und Fensteröffnungen der neuen Nutzung angepasst.
1941 wurde das Kupferdach des Wasserturms aus militärischen Gründen demontiert und durch eine Teerpappe ersetzt. Zu jener Zeit war der Wasserturm nicht mehr in vollen Betrieb und wurde wohl nur noch als Löschwasservorrat verwendet. Während der Bombenabwürfe erlitt der Wasserturm nur leichte Schäden, lediglich eine Sandsteinkugel des Sockels und Teile der Turmkopfverziehrung müssen herabgefallen sein.
Ein weiterer Umbau erfolgte in den Jahren 1948/49.0 Der als Gaststätte genutzte Arbeiterspeisesaal wurde zu einem Filmtheater umgebaut, der südliche Klärbeckenstrang wurde mit Trümmern verfüllt und die Kegelbahn wurde zu einem Kindergarten für Kinder der Angestellten des Werkes umgebaut. 952 wurde ein neues Betriebsberufsschulgebäude eingeweiht, 1954/55 kam eine Kinderkrippe hinzu. Das wieder in Betrieb genommene Schwimmbad wurde von der Bevölkerung bis 1987 genutzt.
In den 1970iger Jahren schloss das Turmparkkino. Der Saal wurde, ebenso wie das Pumpenhaus, als Turnhalle genutzt. Mit dem Anschluss des RAW an das städtische Netz verlor der Wasserturm jegliche Nutzung. Die Eröffnung des Freibades am Salbker See im Jahre 1972 und der weitere Verfall der alten Schwimmanlage sowie des Turmes, der Teile des Turmdaches und weitere Verziehrungen verlor, ließen die Besucherzahlen zurückgehen. In den 1990iger Jahren kam dann das endgültige Aus für das Gelände. 1996 schlossen der Kindergarten und die Kinderkrippe, in der Berufsschule wurde seit 1993 nicht mehr unterrichtet und auch das RAW wurde abgewickelt und geschlossen. Mitte der 1990iger Jahre brach man das Schwimmbecken ab und verfüllte es mit Erde. Das Konsumgebäude und die Wohnungen darüber standen leer.
| Anhang | Größe |
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| ohne Datum Volksstimme.jpg | 29.06 KB |
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| 29.11.1997 Volksstimme.jpg | 1.01 MB |
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| 17.10.2006 Volksstimme.jpg | 1.21 MB |
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| 09.08.2008 Volksstimme.jpg | 993.46 KB |
| 13.08.2008 Volksstimme.jpg | 1.15 MB |
| 06.10.2008 Volksstimme.jpg | 2.1 MB |
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