MAGDEBURG South-East
Westerhüsen - Salbke - Fermersleben & Buckau
Fermersleben
Das Dorf Fermersleben wurde im Jahre 937 erstmals urkundlich erwähnt und bestand im Mittelalter lediglich aus einer Gasse und einer Kirche. In der Schenkungsurkunde für das Moritzkloster genannten Fridumaresleba steckt der Personenname Fridumar. Im Jahre 968 kam Fermersleben, im Zusammenhang mit der Gründung des Erzbistums Magdeburg, in den Besitz des Kloster Berge. Damals lag der Ort wohl direkt an der Elbe, denn das Kloster Berge erhielt 1105 die Fähre bei Fermersleben. Mittelpunkt der mittelalterlichen Besiedlung war der Bereich der heutigen Mansfelder Straße. Dort wurde auch eine Wehrkirche errichtet. Das Dorf dürfte im Mittelalter nur aus einer Gasse nördlich der Kirche bestanden haben. Seit dem 16. Jh. unterstand das Dorf der Möllenvogtei, der Abgaben zu leisten und der die kleinen Kossaten jährlich zu drei Tagen Handdiensten verpflichtet waren. Vom Dreißigjährigen Krieg blieb das Dorf weitgehend verschont. Bis auf die Kirche. Sie wurde zerstört und musste 1657 mit ihrem mittelalterlichen Turm wieder aufgebaut werden. Die Martin-Gallus-Kirche ist die einzige im Fachwerkstil erbaute Kirche Magdeburgs. Es wurde in der Hauptsache Landwirtschaft betrieben. Nach brandenburgischer (bis 1806) und französischer Herrschaft (bis 1814) wurde Fermersleben anlässlich der preußischen Gebietsreform 1818 in den Kreis Wanzleben eingegliedert und unterstand dem Amt Salbke.
In Fermersleben steht die einzige Fachwerkkiche Magdeburgs. Vom mittelalterlichen Vorgängerbau, wahrscheinlich eine der üblichen Wehrkirchen, blieb der Westturm erhalten, der gotisch geformte Schallöffnungen und ein Zeltdach besitzt. Nach Osten ist die Kirche dreiseitig geschlossen. DEn Chor ziert ein Kanzelaltar von 1697. Die Kirche wurde nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges 1657 wieder aufgebaut und 1716 erneuert. Ihren Namen erhielt sie nach dem Rektor der Schule des Klosters Berge, Martin GALLUS, der während der Reformation in Fermersleben als Prediger wirkte. Im Jahre 1950 wurde die Kirche nach den Kriegszerstörungen restauriert.

Der landwirtschaftliche Charakter des Ortes blieb noch lange erhalten. Um 1900 gab es nur eine Ziegelei und eine Mühle. Ein radikaler Wandel der Ortsstrukturen trat mit dem Beginn der Industrialisierung im ersten Drittel des 19. Jh. ein. Der bis dahin eher dörflich geprägte Charakter Fermerslebens verlor sich durch die städtische Bebauung im Bereich des alten Ortskerns. Vom benachbarten Buckau aus dehnten sich Industrieanlagen immer weiter nach Süden aus. Mit dem Bahnbau und der Industrialisierung Buckau verstärkte sich der Zuzug von Arbeiterfamilien. Zu den bedeutendsten Arbeitgebern zählten um 1900 der Maschinenbaufabrikant Rudolf Wolf sowie das Königlich-Preußische Ausbesserungswerk der Reichsbahn, deren Manufakturen sich jedoch auf Salbker Gemarkung befinden. In der Maschinenfabrik von Wolf wurden zunächst Lokomobilen, Dreschmaschinen und Strohpressen und später Dieselmotoren hergestellt. Die neuen Arbeitsplätze in der Nähe verursachten auch in Fermersleben einen regen Wohnungsbau. in den Zeitraum von 1840 bis 1900 verzehnfachte sich nahezu die Bevölkerungszahl. Am 1. April 1910 erfolgte mit 6271 Einwohnern die die Eingemeindung nach Magdeburg.
In der DDR-Ära gehörte Fermersleben zu den vernachlässigten Stadtteilen. Das bedeutete einerseits, dass das Ortsbild nicht wie andernorts durch ungünstig platzierte Plattenbauten beeinträchtigt wurde, andererseits wurde die vorhandene Bausubstanz so vernachlässigt, dass der Verfall ganzer Straßenzüge drohte. Wichtigster Industriebetrieb in Fermersleben war der VEB Karl-Liebknecht-Werk bzw. SKL Schwermaschinenbau Karl-Liebknecht. Das Werk dehnte sich an der Westflanke des alten Dorfes dicht hinter den Wohngebäuden an der Hauptstraße aus. Im südlichen Teil, schon auf Salbker Flur, lag das ursprüngliche Werk, ein Erweiterungsbau der Maschinenfabrik von R. Wolf aus dem Jahre 1905. Das Werk produzierte vorwiegend Schiffs- und Industriedieselmotoren sowie Dieselgeneratoren und Elektrostationen. Zudem setzte man die alte Kesselbautradition durch die Herstellung von Druckkesseln und Behältern für die Chemieindustrie fort. Mit über 8700 Beschäftigten gehörte das WErk mal zu den größten Dieselmotorenproduzenten Europas und war zugleich der zweitgrößte Betrieb Magdeburgs. Positiv für Fermersleben wirkte sich der Ausbau der Salbker Seen zu einem Naherholungsgebiet aus.
Nach 1990 wurde die Bausubstanz einer umfangreichen Sanierung unterzogen. Das Ortsbild Fermerslebens ist durch verschiedene ortsbildgestaltende Epochen charakterisiert. So reicht der Bestand an Gebäuden vom mittelalterlichen Wohnturm bis zu ein- bis zweigeschossigen bürgerlichen Einfamilienhäusern aus dem 19. Jh.. Südlich des alten Dorfkerns, im Bereich Adolf-, Mariannen-, Sophien- und Randauerstr. entstanden um 1900 viergeschossige Mietshäuser im Stil des Historismus. Heute ist der Stadtteil 3,4 Quadratkilometer groß und hat 3.367 Einwohner (Stand: 31.12.2008). Fermersleben liegt als Stadtteil zwischen Buckau und Salbke, zudem wird das Gebiet ostseitig durch die Auenlandschaften der Elbe und westseitig durch die Bahntrasse Magdeburg-Halberstadt begrenzt. Der Stadtteil Fermersleben ist eine reine Wohnsiedlung ohne industrielle Ansiedlung bzw. verfügt über kleinere Gewerbetreibende entlang der Hauptstraße. Fermersleben liegt aber im Einzugsbereich der westlich und südlich nahegelegenen Industrie- und Gewerbeparks SKL.
Dennoch bietet dieser Stadtteil seinen Bewohnern überraschend viel Grün. Mit dem Salbker See und dem Sportkomplex am nördlichen Ende der Straße Alt Fermersleben wird ein vielseitiges Freizeit- und Erholungsgebiet aufgezeigt. Das Stadtteilzentrum um den Otto-Lehmann-Platz ist Sammelpunkt kleinerer Geschäfte und Einkaufszentren. Die Spannweite der Wohnbebauung reicht vom alten Dorfkern um die Mansfelder Straße über die Siedlung Zinckestraße aus den 1930er Jahren bis zur 1998 entstandenen Wohnanlage Alt Fermersleben.
Who's new

Joerg-md

hans

Oliver Braun

Krischan
