Salbke

 

Salbke ist eine der ältesten Siedlungsplätze im Magdeburger Raum. Nach der Farbe des Wasserlaufes, angelsächsisch salu = dunkel, schwärzlich erhielt der Ort seinen Namen. Er bezeichnete ursprünglich einen Zufluss der Sülze oder diese selbst. Durch den im letzten Jahrhundert (19938-1980) an der Elbe betriebenen Kiesabbau wurden zahlreiche Funde zu Tage gefördert. Diese reichen teilweise bis in die Altsteinzeit zurück. Salbke wird erstmals in den Jahren 826 bis 853 schriftlich erwähnt. Schon im frühen Mittelalter war Grundbesitz in Salbke ertragreich. 937 schenkte Otto I. dem Stift Quedlinburg den neunten Teil allen Lehnsertrages in mehreren Ortschaften, darunter in Salbetse und in dem benachbarten Westerhüsen. 1015 wurden 10 Hufen in Salbke und ein Wald, die Kreuzhorst, zwischen der alten und der neuen Elbe zur Ausstattung des Liebfrauenklosters in Magdeburg verwandt. Seit 1018 hatte Salbke eine eigene Kirche, die evangelische St.-Gertraud-Kirche. Das Kloster erweiterte seine Besitz im Dorf und baute im 12. Jh. eine Mühle an der Sülze, etwa dort, wo die Bahnlinie den Bach überquert. Später errichtete man die Vikarienmühle etwa sülzeaufwärts, die wohl der Hilfsprediger zur Nutzung bekam. Für die mittelalterliche Geschichte des Ortes ist erwähnenswert, dass 1233 EIKE von Repgow zu einem Gerichtsvergleich als Zeuge geladen war. Der Straßenname Thieberg mag ungefähr die Lage der Gerichtsstätte, später auch Festplatz der Gemeinde, angeben. Um 1840 gehörte der Ort mit Fermersleben und WEsterhüsen zu den wohlhabendsten Gemeinden im Kreis Wanzleben. Es ist ein 1866 bis 1867 im neugotischen Baustil errichtetes Gebäude. Im Pfarrhof der Kirche befindet sich der historische Taubenturm Salbke. Die katholische Kirche St. Johannes Baptist entstand 1909 nach einem Entwurf des Kirchenbaumeisters Hiilger Hertel im neogotischen Stil.

Salbkes Hauptwirtschaftszweige waren der Ackerbau und die Holzwirtschaft. Da der überwiegende Bevölkerungsanteil im nichtlandwirtschaftlichen Bereich tätig war, sondern in der holzverarbeitenden Industrie und der Elb-Schifffahrt angehörte, wuchs die Gemeinde mit dem Einsetzten der Industrialisierung zu einer wohlhabdensten Kreise Wanzlebens. Salbke entwickelte sich während der Hochphase der Industrialisierung neben Buckau zum bedeutendsten Maschinen- und Schwermaschinenbaustandort im Magdeburger Südosten. So wurde im Jahr 1893 mit dem Bau der Königlich-Preußischen-Ausbesserungswerkes der Reichsbahn (RAW) begonnen. Mit Inbetriebnahme des RAW im Jahre 1895 wandelte sich die dörflich geprägte Struktur zu der eines Industrieortes. In der DDR waren hier bis zu 2100 Werktätige beschäftigt, die auf die Reparatur von gedeckten Güterwagen spezialisiert waren.  Im Jahr 1905 siedelte sich mit Rudolf Ernst Wolf ein weiterer Maschinenbaufabrikant in Salbke an. Proportional zur wirtschaftlichen Entwicklung Salbkes nahmen die Einwohnerzahlen innerhalb kürzester Zeit zu. Neben diesen Wirtschaftszweigen siedelte sich mit Fahlberg List ein weiterer Industriezweig an. Das sich direkt an der Elbe befindende, ca, 30 ha große Areal wurde nach 1990 in den Industrie- und Gewerbepark Getreide AG umbenannt.

1910 wurde Salbke ebenfalls in die Stadt Magdeburg eingemeindet. Am 6.09.1926 wurde die durch Salbke führende Straßenbahnlinie Magdeburg-Schönebeck eröffnet. Westlich der Bahn liegen die beiden Werksiedlungen Wolfsfelde und Lüttgen Salbke, angelegt um 1912. Der Name Lüttgen = Klein Salbke erinnert an die hier im Mittelalter gelegene und wohl im 16. Jh. wüst gewordene Siedlung Klein oder Wendich Salbke. 

Im Folge des 2. Weltkrieges wurden die meisten Werksanlagen, da sie der Rüstungsindustrie dienten, zerstört. Nach dem Wiederaufbau zu Beginn der 1950er Jahre übernahm die DDR die enteigneten Industrieanlagen. Auch das RAW nahm mit dem Wiederaufbau neuerlich den Betrieb auf.

Die Siedlungsentwicklung Salbkes ist vielschichtig. So zeugen sowohl bauliche Strukturen der Gründerzeit, zwei- bzw. dreigeschossige großstädtische Mietshäuser, als auch die dörfliche Bebauung der Gehöfte von der geschichtsträchtigen Entwicklung Salbkes. Vor allem im Siedlungskern sind noch die Gebäudeformationen der früheren Bauernhöfe erhalten, die in jüngster Zeit durch neue Wohnanlagen ergänzt wurden. 

Heute besitzt Salbke eine Fläche von 5 Quadratkilometer mit ca. 4.000 Einwohnern.

Abgesehen von dem Gewebegebiet des ehemaligen Karl-Liebknecht-Werkes und des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) ist Salbke eine reine Wohnsiedlung. Entlang des Straßenzuges Alt Salbke stehen mehrgeschossige Mietshäuser, während der alte Dorfkern um die St.-Gertraud-Kirche kleinteilig mit ein- oder zweigeschossigen Häusern ausgebildet ist. Salbke ist im Widerspruch zum gefühlten Image, das im wesentlichen vom Leerstand vieler Häuser an der Hauptstrasse geprägt ist, ein sehr wohnlicher, grüner Stadtteil zwischen der Elbe und dem Spionskopf. Durch die unmittelbare Lage des Stadtteils an der Elbe und der daraus resultierenden positiven Wirkungen auf das Wohnumfeld ist Salbke in Bereich des alten Dorfkernes ein beliebter Wohnort. Kleinräumig ergeben sich jedoch hohe Belastungen aufgrund der Verkehrsmissionen und der Beeinträchtigungen durch die großflächigen Gewerbebrachen.  

 

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