Westerhüsen

 
Westerhüsen ist der südlichste Ort des schmalen Siedlungsbandes von Buckau her und wurde, ebenso wie Fermersleben, im Jahr 937 erstmals Westeros urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet ursprünglich, nach dem altsächsischen Grundwort hus = Haus, nach Westen gelegener Einzelhof. Die Entwicklung von Westerhüsen ähnelt in manschen der von Salbke und Fermersleben. 937 schenkte Otto I. dem Stift Quedlinburg den neunten Teil allen Lehnsertrages in Westerhuse. Später unterstand der Ort dem Magdeburger Domkapitel. Die Wirtschaftszweige des mittelalterlichen Dorfes bildeten die Land- und Viehwirtschaft sowie die Elbschifffahrt. Zu Anfang des 9. Jh. wurde das Gebiet östlich und nördlich des Harzes von Halberstadt aus missioniert. Der erste Halberstädter Bischof gründete Kirchen, die er dem Schutzheiligen des Domes, dem heiligen Stephanus, weihte. Auch Westerhüsen besitzt eine Stephanikirche. Aus mittelalterlicher Zeit stammt der Westturm, der 1964 restauriert und wieder mit einem Barockhelm versehen wurde. Auch der romanische Taufstein vom Ende des 12. Jh. und die ältesten Magdeburger Kirchenglocken vom Jahre 1523, sind für den Betrachter wieder zugänglich. Während der Belagerung und Zerstörung Magdbeurgs im Jahr 1631 schlug der General Tilly sein Hauptquartier im Weibezahlschen Hof in Westerhüsen auf. In der Fassade des noch heute bestehenden Gebäudes wurde zur Erinnerung eine Kanonenkugel eingemauert. Seit dem Beginn des 17. Jh. soll es die Gierfähre Westerhüsen zum Ostufer der Elbe gegeben haben.   
Auch in Westerhüsen erwies sich die Industrialisierung als Motor für eine umfangreiche Stadtteilentwicklung. Mit der Industrialisierung wurde auch hier die Landwirtschaft, die Fischerei und die Elbschifffahrt von den Fabriken ersetzt. 1838 wurde in Westerhüsen die erste Zuckerfabrik der Magdeburger Gegend, in der gesamten Börde die zweite nach Wanzleben, errichtet. Im Jahr 1886 siedelten als größte Unternehmen die Zuckerfabrikanten Fahlenberg und List an und gründeten die erste Saccharinfabrik der Welt. Der Ortsschwerpunkt verlagerte sich an die Hauptstraße Alt Westerhüsen. Ab 1890 wurden die Bauernhäuser unter Beibehaltung der Grundstücksstruktur größtenteils durch Mietshäuser mit zwei bis drei Vollgeschossen ersetzt. Die Eingemeindung nach Magdeburg erfolgte 1910 mit 4601 Einwohnern.  In der DDR wurden im VEB Fahlberg-List neben Zucker auch Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel, für dieses größte chemische Werk Magdbeurgs mit 1900 Beschäftigten als Leitbetrieb im Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe fungierte. Die Lage an der Elbe, wo das Werk eine Umschlagskante und eine Wasseraufbereitungsanlage besitzt, und der Anschluss an das Eisenbahnnetze durch mehrere Verbindungsgleise zum gegenüberliegenden Bahnhof Südost begünstigten die Entwicklung des Betriebes.      
 Der Stadtteil Westerhüsen erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von ca. 720 ha mit ca. 3.082 (Stand 31. Dezember 2008) Einwohnern und bildet den südlichen Abschluss des Magdeburger Südostens. Räumlich wird Westerhüsen im Norden vom Stadtteil Salbke, westlich wie auch südlich vom Stadtteil Beyendorf-Sohlen und ostseitig durch die Stromelbe begrenzt. Im Wesentlichen konzentriert sich die Bebauung entlang der Durchgangsstraße Alt Westerhüsen. Lediglich westlich des Bahnhofs Magdeburg-Südost liegen noch weitere Straßen. Die Bausubstanz besteht sowohl aus Einfamilienhäusern als auch aus mehrgeschossigen Mietshäusern. Westerhüsen dient heute vorwiegend Wohnzwecken, einige kleine Gewerbebetriebe sind hier angesiedelt. Ganzer Stolz der Westerhüser ist die Kirche St. Stephanus, deren Westturm aus dem Mittelalter stammt. Seit dem Einzug der "Hünstler" in ein altes HO-Geschäft hat WEsterhüsen nun so etwas wie eine kleine Künstlerkolonie. 
Hervorzuheben ist der Schulkomplex mit dem Europäischen Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft und dem Kaufmännischen Bildungszentrum. Die Fähre Westerhüsen verbindet Westerhüsen mit dem Ostufer der Elbe. Empfohlen sei das traditionelle Gasthaus "zur Fähre" in Elbnähe und das "Eis-Eck" in der Welsleber Straße.

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